Über die Filmreihe

Pier Paolo Pasolini, Elio Petri: Perspektiven auf das italienische Kino im Sommersemester 2022

Die Termine der Filmreihe im Überblick

Wir freuen uns, auch im Sommersemester 2022 die italienische Filmreihe des Instituts für Romanistik in Kooperation mit dem Italienischen Kulturinstitut Hamburg fortsetzen zu können. 

Nächster Film am 17.05.2022 um 19 Uhr:

Il Decameron (1971) von Pier Paolo Pasolini

Einführung von Dr. Cora Rok (Heidelberg): Vom Verlust der Unschuld im Neokapitalismus: Warum Pasolini seiner "Trilogia della vita" abschwor 

Zwischen 1971 und 1974 erscheinen drei Literaturverfilmungen von Pier Paolo Pasolini, die als „Trilogie des Lebens“ („Trilogia della vita“) bekannt geworden sind; es handelt sich um größtenteils werkgetreue Adaptionen einer kleineren Auswahl von Novellen aus Giovanni Boccaccios Decameron, Geschichten aus Geoffrey Chaucers Canterbury Tales und Märchen der orientalischen Sammlung Tausendundeine Nacht. Zu sehen sind darin meist heitere frivole Szenen aus dem Liebesleben nicht nur heterosexueller Pärchen oder auch Grüppchen, bestehend aus alten und jungen Menschen unterschiedlicher gesellschaftlicher Schichten und ethnischer Herkunft, die sich nach listigem Bemühen oder animiert durch glücklichen Zufall unbeschwert und spielerisch ihrem Begehren hingeben und dabei ungezwungen ihre nackten Körper zur Schau stellen. Spätestens seit der ‘68er Revolte ist ein freizügiger Umgang mit dem (nackten) Körper kein Novum mehr und so scheint es auch auf den ersten Blick, dass Pasolinis Filme von einem ähnlichen emanzipatorischen Zeitgeist bewegt sind wie andere künstlerische Produktionen aus der Ära der großen sexuellen Revolution. Das Besondere an der Trilogie ist jedoch, dass Pasolini darin den Eros mittelalterlicher Menschen (auch nicht-westlicher Kulturkreise) filmisch einzufangen sucht, der – so lässt sich auch nach der Lektüre der literarischen Vorlagen urteilen – mitunter sogar aufgeklärter und ungehemmter wirkt als jener spätmoderner westlicher Gesellschaften. Genau ein Jahr nach der Veröffentlichung von "Il Fiore delle Mille e Una Notte" distanziert sich Pasolini jedoch von der Trilogie und verfasst einen Text, in dem er von dieser „abschwört“ ("Abiura dalla Trilogia della vita“) und die Gründe für seinen plötzlichen „Hass“ auf den menschlichen Körper darlegt. Der Vortrag möchte die Kapitalismuskritik, die in diesem Text deutlich wird, unter die Lupe nehmen und anhand des ersten Films der Trilogie, Il Decameron von 1971, der im Anschluss gezeigt wird, die Kritikpunkte beleuchten. Da sich der Vortrag auch als eine Kurzeinführung in die Boccaccio-Verfilmung versteht, wird auch auf die Struktur und die thematischen Schwerpunkte des Films im Vergleich zur literarischen Vorlage eingegangen.

Ort: Hörsaal 218 im Universitätshauptgebäude

Wir freuen uns auf einen vollen Kinosaal!

Organisation: Julia Dettke und Dr. Gabriele Lenzi